Evangelisch-Lutherische Philippusgemeinde Gifhorn

Der Altarraum in St. Philippus
Der Altarraum in St. Philippus

Abendmahl

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Abendmahl feiern!

Dieses hochaktuelle und brisante Thema wird immer wieder erregt diskutiert. Viele geben Antworten, manche stellen Fragen und so ist es nicht so einfach den Durchblick zu behalten. Nehmen Sie sich Zeit, lesen Sie, beten Sie. Vor allem aber: Haben Sie Freude an der Feier des Hl. Abendmahls und lassen Sie sich von Christus immer wieder einladen.

1. Das Patent

Wer eine Erfindung gemacht hat, kann sich diese als Erfinder im Patentamt patentieren, also schützen lassen. Er hat alle Rechte auf seine Erfindung.

Urheber des Heiligen Abendmahls ist Jesus Christus, weil er es eingesetzt hat. Im Neuen Testament können wir es nachlesen (Matthäus 26,26-28, Markus 14,22-25, Lukas, 22,19-20, 1. Korinther 11,23-25):

Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brachs und gabs seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset; das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Solches tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankte und gab ihnen den und sprach: Nehmet hin und trinket alle daraus; dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches tut, so oft ihr es trinkt zu meinem Gedächtnis.

Martin Luther greift es im Kleinen Katechismus auf:

Was ist das Sakrament des Altars?
Es ist der wahre Leib und Blut unseres Herrn Jesus Christus, unter dem Brot und Wein uns Christen zu essen und zu trinken von Christus selbst eingesetzt.

Weil Jesus Christus der Urheber des Heiligen Abendmahls ist, hat er allein alle Rechte darauf und nicht wir Menschen. Es ist also das Mahl des Herrn. Die Kirche hat sich also nach dem zu richten, was und wie Jesus Christus sein Abendmahl gefeiert wissen will.

2. Saft statt Wein?

Jesus Christus hat das Urheberrecht am Heiligen Abendmahl, weil er es eingesetzt hat. So ist zunächst zu fragen, was hat Jesus Christus eigentlich getan? Klar ist, dass er Brot genommen hat. Nach dem Zeugnis der Bibel steht jedoch zunächst nichts darüber, ob er nun Saft oder Wein verwendet hat. Vielmehr sprach Jesus: „Ich werde von nun an nicht trinken von dem Gewächs des Weinstocks, bis das Reich Gottes kommt (Lukas 22,18). Einige meinen nun, dass auch der Traubensaft ein Gewächs des Weinstocks sei und er im Heiligen Abendmahl verwendet werden dürfe.

Jesus Christus bezeichnet aber mit „Gewächs des Weinstocks“ den zum Trinken fertigen Wein und schließt zugleich Traubensaft, Weinessig oder andere „Produkte vom Weinstock“ (vgl. 4 Mose 6,3f) aus.

Das heißt, dass Jesus Christus Wein zum Abendmahl genommen hat. Ein halbes Jahr nach der Weinernte war auch kein unvergorener Traubensaft mehr vorhanden! Er hat durch seine Worte, wie sie dastehen, Wein, und zwar nur Wein befohlen und nichts anderes freigestellt.

Fragen wir noch einmal Martin Luther im Kleinen Katechismus:

Was ist das Sakrament des Altars?
Es ist der wahre Leib und Blut unseres Herrn Jesus Christus, unter dem Brot und Wein uns Christen zu essen und zu trinken von Christus selbst eingesetzt.

In der Lutherischen Kirche ist es unstrittig, dass im Heiligen Abendmahl ausschließlich Brot und Wein verwendet werden dürfen. Es gilt hier das zu tun, was Jesus Christus gesagt und getan hat. Eine Abendmahlsfeier mit Saft widerspricht den Abendmahlsworten Jesu. Solches tut… Ebenso, in gleicher weise wie er, sollen wir das Heilige Abendmahl feiern. Weil der Herr der Urheber des Heiligen Abendmahls ist, haben wir Menschen kein Recht seinen Willen (Testament) zu missachten und etwas anderes zu tun. Zudem geht es um die Gewissheit, wirklich das Abendmahl des Herrn zu feiern.

Einem Alkoholiker, der um Rat fragt, bitten wir das Gespräch mit dem Pfarrer zu suchen.

3. Geschenkt!

Was empfangen wir im Heiligen Abendmahl eigentlich? Hierüber hat es im Laufe der Kirchengeschichte bis heute viele unterschiedliche Meinungen gegeben. Aber Fragen wir am Besten den Urheber des Heiligen Abendmahls Jesus Christus selber:

Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brachs und gabs seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset; das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Solches tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankte und gab ihnen den und sprach: Nehmet hin und trinket alle daraus; dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches tut, so oft ihr es trinkt zu meinem Gedächtnis.

Weil Jesus Christus sagt: Das ist mein Leib, das ist mein Blut, glauben, lehren und bekennen wir dies als Lutheraner. Werden die Abendmahlsworte Jesu über Brot und Wein durch den Pfarrer laut, tun wir zunächst das, was Jesus Christus haben will. Er sagt ja: Solches tut. Man kann sagen: Es ist ein Befehl, eine Anweisung des Herrn. Weil Jesus Christus will das diese Abendmahlsworte über Brot und Wein laut werden und auf diese Weise durch ihn gesegnet werden, geschieht etwas wunderbares: Auf Grund der Abendmahlsworte ist es „der wahre Leib und Blut unseres Herrn Jesus Christus, unter dem Brot und Wein uns Christen zu essen und zu trinken…, wie es Martin Luther im Kleinen Katechismus ausdrückt.

Grundlage des Heiligen Abendmahls ist das Wort des Herrn. Wie das geschieht, wissen wir nicht. Mit Köpfchen kommen wir diesem Geheimnis nicht auf die Spur. Dies können wir allein glauben. Dennoch vereinigen sich Brot und Leib Christi zu einer Einheit, Wein und Blut Christi zu einem Ganzen auf wunderbare Weise durch das Wort des Herrn.

4. Gegenwart – für mich

Christi wahrer Leib unter dem Brot und sein wahres Blut unter dem Wein empfangen wir nach Christi Wort mit unserem Mund. Dies ist für viele Menschen „eine harte Rede.“ Schon zur Zeit Jesu hat es deswegen Ärger und Trennung unter den Jüngern gegeben:

Im Johannesevangelium, Kapitel 6 ist es nachzulesen:
Verse 53-56: Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohnes esst und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am Jüngsten Tag auferwecken, Denn mein Fleisch ist die wahre Speise, und mein Blut ist der wahre Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm.

Dies führt unter den Jüngern zum Streit (Vers 60): Viele von seinen Jüngern, die das hörten, sprachen: Das ist eine harte Rede. Wer kann sie hören?

Der Herr spricht sie an (Vers 61): Ärgert euch das?

Die Folge ist, dass sich viele Jünger Jesu abwenden und ihren Weg gehen (Vers 66): Von da an wandten sich viele seiner Jünger ab und gingen hinfort nicht mehr mit ihm.

Mit Petrus sagen wir als Lutheraner (Vers 68b): Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.

Wir empfangen unter dem gesegneten Brot wirklich Christi Leib und nehmen unter dem gesegneten Wein wirklich Christi Blut entgegen. Denn im Heiligen Abendmahl wird uns Vergebung der Sünden, Leben und Gemeinschaft mit Christus und untereinander geschenkt.

5. Was gibt es?

Das ist eine Frage, die wir vielleicht stellen. Und sie hat ja auch eine Berechtigung. Jesus Christus beantwortet sie: für euch… zur Vergebung der Sünden!

Wenn wir Christi wahren Leib und Blut im Glauben empfangen, erhalten wir Vergebung. Hier sind wir im Zentrum des Hl. Abendmahls. Es wird ein Neuanfang gesetzt, der über unser irdisches Leben hinausgeht und über den Tod hinaus bestand hat. Das Heilige Abendmahl ermöglicht nicht nur, dass ich meinen Alltag hieraus gestalte, sondern zielt auf die Ewigkeit, auf ein Leben mit Gott -für immer.

Gleichzeitig haben wir Gemeinschaft mit Jesus Christus. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm, sagt Jesus Christus in Johannes 6,56. Wenn wir Leib und Blut Christi empfangen, werden auch alle Abendmahlsgäste zu einem Leib, zu einer Kirche, zu einer Gemeinschaft zusammengeschlossen (1. Korinther 10,16-17).

Wenn wir Abendmahl feiern, verkündigen wir „des Herrn Tod, bis dass er kommt (1. Korinther 11,26). So ist die Feier des Abendmahles gleichzeitig Predigt. Zwischen Jesu Kommen und der unserer Gegenwart ist das Heilige Abendmahl. Dieses Mahl ist ein Vorgeschmack auf die große Freude, wenn wir mit allen „Erlösten das Hochzeitsmahl des Lammes in seinem Reich“ feiern, wie es in der Evangelisch-Lutherischen Kirchenagende heißt.

6. Oft mitfeiern?

Jesus Christus lädt uns als Gastgeber an seinen Tisch. Er ruft freundlich zu seinem Mahl. Christus möchte uns oft an seinem Tisch willkommen heißen, um mit uns zu feiern, uns zu Vergeben, uns Leben und Ewigkeit zu schenken. Aus dem Neuen Testament erfahren wir, dass die Urgemeinde das Heilige Abendmahl sonntäglich gefeiert hat:

Am ersten Tag der Woche aber (Sonntag), als wir versammelt waren, das Brot zu brechen (anderer Begriff für das Heilige Abendmahl), predigte ihnen Paulus (Apostelgeschichte 20,7). Die Urgemeinde feierte also jeden Sonntag Gottesdienst mit Predigt und Heiligem Abendmahl. Dies bezeugt unter anderem auch die Verteidigungsschrift des Augsburgischen Bekenntnisses im 15. Artikel für die Reformationszeit: Bei uns braucht das Volk das heilige Sakrament willig, ungedrungen, alle Sonntage. Auch zur Zeit Martin Luthers wurde das Heilige Abendmahl sonntäglich angeboten, gefeiert und gebraucht. Jesus Christus lädt uns auch heute an seinen Tisch. Folgen wir oft seiner Einladung und sind seine Gäste.

7. Zu Gast am Tisch des Herrn

Sind wir zu einer Feier, beispielsweise einer Hochzeit, eingeladen, so verhalten wir uns auch als Gast dementsprechend. Beim Heiligen Abendmahl ist es ähnlich. Was ist die angemessen? Angemessen ist, den Worten Jesu Christi zu glauben. Christi Leib und Christi Blut für mich gegeben und vergossen zur VerVergebung meiner Sünden, zu essen und zu trinken und gestärkt vom Tisch des Herrn in den Alltag zu gehen. Dafür loben, preisen und danken wir Gott.

Unangemessen ist den Worten des Herrn nicht zu glauben: Welcher nun unwürdig von diesem Brot isst oder von dem Kelch des Herrn trinkt, der ist schuldig am Leib und Blut des Herrn. Der Mensch prüfe aber sich selbst und dann esse er von diesem Brot und trinke aus diesem Kelch. Denn welcher unwürdig isst und trinkt, der isst und trinkt sich selber zum Gericht, dadurch dass er nicht er nicht unterscheidet den Leib des Herrn (1. Korinther 11,27-29).

So haben in der Abendmahlsrunde Unglaube, Stolz, Erfahrungen, Wissen und Verstand keinen Platz. Denn wir knien am Altar als Sünder, die mit leeren Händen kommen, um Christi Leib und Blut mit unserem Mund zu empfangen. Auch kommt es nicht darauf an die Nähe Jesu zu spüren. Vielmehr gilt es dem Wort des Herrn zu glauben, ihm zu vertrauen, hierauf zu bauen. Denn Erfahrungen können falsch sein, der Verstand kann sich täuschen, Gefühle können schwinden. Allein auf Christi Wort ist verlass: Himmel und Erde vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen (Matthäus 24,35).

8. Zu Gast bei anderen Kirchen

Im Urlaub, zu Trauungen oder anderen Anlässen sind wir Gäste in Gottesdiensten anderer Kirchen mit denen die Lutherische Kirche keine Kirchen- und Abendmahlsgemeinschaft hat. Dass das Tischtuch gerade beim Heiligen Abendmahl zerschnitten ist, tut weh. (Vgl. Abschnitt 4). Andere Kirchen glauben, lehren und bekennen sich zu einem anderen Abendmahlsglauben. An dieser Stelle wollen wir andere Kirchen nicht kritisieren, sondern Fragen, wie wir uns verhalten sollen, wenn wir im Gottesdienst zum Abendmahl einer anderen Kirche eingeladen werden.

Wir haben gesehen, dass das Heilige Abendmahl in ganz besonderer Weise Gemeinschaft herstellt. Die Einheit der Kirche kommt am lebendigsten, deutlichsten und umfassensten als Gemeinschaft am Altar zum Ausdruck. Es ist gegenüber anderen Kirchen lieblos, wenn wir dort zum Heiligen Abendmahl gehen, weil wir ihren Abendmahlsglauben nicht respektieren. Gleichzeitig bescheinigen wir, dass die Abendmahlslehre der anderen Kirche mit Jesu Abendmahlsworten übereinstimmt. Vielfach wissen wir als Gemeindeglieder aber nicht, was die andere Kirche für ein Abendmahlsbekenntnis hat. Aus Liebe und Respekt dem anderen gegenüber gehen wir darum bei anderen Kirchen, die mit der Lutherischen Kirche nicht in Kirchen- und Abendmahlsgemeinschaft stehen, nicht zum Heiligen Abendmahl. Hier gilt es verantwortungsvoll und liebevoll mit anderen Christen umzugehen. Gerade im Gespräch mit ihnen darf es nicht zu Hochmut, Stolz, Rechthaberei kommen. Vielmehr gilt es den anderen zu respektieren, auch wenn die Lutherische Kirche mit ihren Gliedern den anderen Abendmahlsglauben auf Grund der Treue zum Wort Gottes nicht akzeptieren kann. Auch sollen wir fröhlich weitersagen, was wir glauben.

9. Christen anderer Kirchen bei uns zu Gast

Immer wieder freuen wir uns über Christen, die mit uns zusammen Gottesdienst feiern. Sie sind eingeladen mitzusingen, Gott zu loben, zu danken, auf Gottes Wort zu hören, den Segen zu empfangen. Gleichzeitig bitten wir aber auch Christen aus anderen Kirchen, mit denen die Lutherische Kirche keine Abendmahlsgemeinschaft hat, vorher mit dem Pfarrer zu sprechen, wenn der Wunsch besteht zum Heiligen Abendmahl zu kommen. Denn oftmals wissen andere Christen nicht, was die Lutherische Kirche von Gottes Wort und den Lutherischen Bekenntnisschriften her über das Heilige Abendmahl glaubt, lehrt und bekennt. In einem Gespräch wird der Pfarrer dies liebevoll erläutern und wenn es die seelsorgerliche Situation erfordert auch zum Heiligen Abendmahl zulassen. Ansonsten erbitten wir von ihnen denselben Respekt vor dem Lutherischen Abendmahlsbekenntnis, wie wir es anderen Kirchen und Christen auch entgegenbringen. Das heißt, dass sie nicht zum Heiligen Abendmahl kommen sollen, weil sie einen anderen Abendmahlsglauben haben.

10. Gebet

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Herr Jesus Christus, danke dass du mich an deinen Tisch einlädst, deinen wahren Leib und Blut zu empfangen. Ich höre deine Stimme und folge dir an deinen Tisch.

Ich bringe dir meine Schuld, die mich von meinem Mitmenschen trennt, ich übergebe dir meine Sünde, die mich von einem immerwährenden Leben mit Gott ausschließt. Ich sage dir meine Ängste und Sorgen, ich gebe mein altes Leben ab.

Ich glaube fest, dass mir dein Heiliges Abendmahl ein Segen ist, weil dein heiliger Leib, Herr Jesus Christus, mich speist und dein heiliges Blut mich tränkt. Es gibt keine tiefere Gemeinschaft mit Dir, solange wir auf dieser Erde leben. Mache du mich und alle, die du auserwählt hast, in diesem Glauben fest. Für die Gabe deines Leibes und Blutes danke ich dir. Amen.